Susanne Buckler ∙ Coach für Kreative ∙ Hamburg

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Ich glaube...

Seit ein paar Wochen schleiche ich zum Beispiel um den Gedanken herum, diesen Beitrag zu schreiben und drücke mich. Was soll man denn sinnvolles beitragen, das nicht komplett banal und unangebracht scheint angesichts der aktuellen Nachrichtenlage? Es gibt jeden einzelnen Tag unzählige Gründe, sich gelähmt und machtlos zu fühlen – das ist wohl unweigerlich ein Teil der menschlichen Erfahrung – und gleichzeitig müssen und wollen wir uns wirkungsvoll fühlen und einen positiven Beitrag zu dieser Welt leisten, nur wie?

Auch das ist Teil unseres Menschseins: Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist wohl eine der wichtigsten Komponenten für unsere seelische Gesundheit. Vielleicht ist das ein Grund, warum wir für etwas kämpfen, auch wenn es fast aussichtslos erscheint. Wir müssen erleben, dass unser Tun eine Wirkung hat, dass wir etwas verändern können. Extreme Situationen zeigen dieses Streben nur wie unter einem Mikroskop vergrößert...

Aber was gibt diesem Streben nach Wirkung eine Richtung?

Was bündelt unsere Energien und Kräfte und gibt uns ein Durchhaltevermögen und hilft uns dabei, aus Angst und Lähmung herauszufinden?


Ich glaube, wir finden Antworten darauf, wenn wir uns mit dieser Frage beschäftigen:

Was bewegt mich so sehr, dass ich etwas bewegen will?

Wovon bin ich so überzeugt, dass ich mich dafür mit den Mitteln, die ich aktuell zur Verfügung habe – meiner Kraft, meiner Zeit, meinem Geld, meinem Wissen, meinem Wesen, meinen Kontakten – einsetzen will? Nicht bis zur Erschöpfung, nicht bis zur Selbstaufgabe, nicht auf Kosten aller anderen Dinge, aber dennoch mit Einsatz und Nachdruck? Woran glaube ich tief in mir und welche Berge möchte ich mit diesem Glauben versetzen?

Es ist erstaunlich, wozu wir in der Lage sind, wenn wir uns für unsere tiefsten Überzeugungen einsetzen. Vor allem, wenn diese infrage gestellt oder gar mit Füßen getreten werden.

Woran wir glauben, wovon wir überzeugt sind, das formt sich in unserer Kindheit, wird beeinflusst durch unser Umfeld und ändert sich zum Teil im Laufe unseres Lebens, durch unsere Erfahrungen, durch das Erweitern unseres Horizontes, durch neue Einflüsse und durch das, was auf der Welt los ist.

In jedem Leben gibt seismografische Ereignisse — auf globaler oder ganz persönlicher Ebene — die plötzlich alles verändern. Wir spüren, wie sich etwas Monumentales in uns verschiebt. Wie Gräben aufreißen, plötzliche Leere entsteht, alte Wahrheiten darin versinken und sich neue Überzeugungen langsam formen. Was wir mal glaubten, wovon wir überzeugt waren, es passt nicht mehr, es stimmt nicht mehr…

Welche Beben haben mein Leben bisher erschüttert und wie haben sie meine Überzeugungen verändert?

Vielleicht ist das eine Frage, die heute mal mit auf einen ausgedehnten Spaziergang darf?


  • Woran glaube ich?

  • Wovon bin ich überzeugt?

  • Wofür bin ich bereit meine Kraft, meine Energie, meine Zeit, mein Wissen, meine Verbindungen einzusetzen?

  • Was sind meine Mittel der Wahl dafür?

    Es gibt auf diese Fragen keine politisch korrekten Antworten, auch wenn meine Hinleitung zu dem Thema das möglicherweise suggeriert hat. Es gibt nur ein paar – vielleicht im ersten Moment enttäuschend unoriginell oder vermeintlich unambitioniert erscheinende – Antworten, die wir für uns mal formulieren können. Vielleicht heimlich auf ein Stück Papier geschrieben, weit weg von den Augen und Bewertungen anderer…

    Mit der gleichen Unbedarftheit, wie wir To-do-Listen und Einkaufslisten in ein paar Minuten auf abgerissene Zettel und Notizbuchseiten schreiben, können wir doch das einfach mal probieren!


Wozu ist diese „Überzeugungsarbeit“ gut?

Wieder Sinn empfinden in dem, was sie tun und wirklich ins Handeln kommen, das ist oft ein Wunsch, mit dem meine Kundinnen zu mir in die Zusammenarbeit im Coaching kommen.

Der Weg zum Empfinden von Sinn führt über die Beschäftigung mit unseren eigenen Überzeugungen und mit dem, woran wir glauben – über das Leben, über die Welt, was wichtig ist und was nicht. Wenn wir unsere Überzeugungen und unser persönliches Glaubensbekenntnis mal zu Papier gebracht haben, dann können wir auf dieser Grundlage überlegen, wozu wir mit unserem beruflichen und privaten Tun einen Beitrag leisten und wo und wie wir eine Wirkung entfalten wollen.

Wenn wir für uns einen klaren Zusammenhang sehen können zwischen dem, was wir tun, d.h. wo wir unsere Zeit und Energie investieren, und dem, woran wir im tiefsten Inneren glauben, dann empfinden wir unser Tun auch als sinnstiftend.


Wenn gestern noch kaum vorstellbare, erschütternde Ereignisse plötzlich zur Realität werden, müssen dann nicht auch unglaublich gute und hoffnungsvolle Dinge morgen Realität werden können?

Mir hilft da vielleicht meine Überzeugung, dass die meisten Menschen danach streben, die Welt zu einem schöneren und friedlicheren Ort zu machen. Daran glaube ich von ganzem Herzen und wenn ich das Gefühl habe, die ein oder andere dabei mit meiner Energie und meinem Wissen zu unterstützen, dann fühle ich mich auf eine kleine, aber gute Art wirkungsvoll in dieser Welt und verbunden mit all denjenigen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise ebenfalls danach streben.

Ganz ehrlich, es ist nicht einfach, über solche Sachen zu schreiben – es ist sehr persönlich und fühlt sich so angreifbar an, oder?

Dennoch ist es einen Versuch wert: Woran glaubst du? Wovon bist du überzeugt?

3 Minuten einfach mal eine erste Sammlung machen von dem, was dir in den Kopf kommt – unpoliert, roh, grob, unvollständig…


Meine 3 Minuten haben vor ein paar Tagen das hier hervorgebracht und ich teile das nur aus einem einzigen Grund, nämlich um zu zeigen, dass es nicht umfassend, für immer gültig oder wahnsinnig originell sein muss. Aber es fühlt sich für mich wahr an, und das ist ein guter Anfang:

Ich bin davon überzeugt, dass…

  • „genug sein und haben“ ein Schlüssel zu Zufriedenheit und Weltfrieden sein kann

  • Frauen endlich eine gleich starke Rolle wie Männer in dieser Welt einnehmen müssen, um ein Gleichgewicht zu schaffen und mehr Frieden zu bringen

  • die Menschenwürde unantastbar ist

  • Krieg immer sinnlos ist

  • wir lernen sollten, Intuition (= Unbewusstes) und Verstand gleichwertig zu betrachten

  • weniger oft mehr ist

  • Qualität über Quantität geht – nicht immer, aber meistens

  • Innen und Außen in Harmonie zueinander sein sollten, als Grundbedingung für gute Gestaltung

  • gute Fragen oft wertvoller sind als gute Antworten

  • wir mehr produzieren (gute Ideen, kreative Lösungen, Kunst, Musik, Poesie...) und weniger konsumieren sollten


Schreib mal eine Liste mit Dingen, an die du glaubst. Was ich meine, das sind die Überzeugungen, die sich anfühlen wie ein Feuer in dir. Das kann eine kleine Flamme sein, die es zu schützen und zu schüren gilt. Oder es kann ein warmes, flackerndes Feuer sein, das Energie gibt und Wärme spendet. Es können große oder kleine Sachen sein, das spielt gar keine Rolle. Wichtig dabei ist, erst einmal frei herauszuhauen, was auf dem Papier landen möchte.

Es geht darum, deine eigene Wahrheit zu formulieren. Niemand anderes soll das sehen oder lesen, niemand soll es beurteilen, auch die kritische Stimme in deinem Kopf nicht…

Trotzdem – oder vielleicht vor allem, weil – die Welt gerade so ist wie sie ist, woran glaubst du?

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